tsuri
05-06-2006, 10:38 AM
My Newspaper covered this today in response to the debate wheter the US should adopt a Spanish National Anthem.
There already are two versions of the US National Anthem, one in English and one in German.
The latter, first introduced in 1851, was widely(even in public schools) sung until 1917.
The Germans were the only group of immigrants to translate the Hymn.
This is the text:
"O! Sagt, könnt ihr seh´´n in des Morgenroths Strahl, Was so stolz wir im scheidenden Abendroth grüßten? Die Sterne, die Streifen, die wehend vom Wall, im tödlichen Kampf uns den Anblick versüßten? Hoch flattere die Fahne in herrlicher Pracht, beim Leuchten der Bomben durch dunkle Nacht. O! Sagt, ob das Banner, mit Sternen besä´t über´´m Lande der Freien und Braven noch weht?"
More details for German Speakers
Die Idee, eine Nationalhymne in der Sprache der Einwanderer zu singen, ist nicht neu. In den USA gab´s das schon vor 150 Jahren
Washington. Die amerikanische Nationalhymne gibt´´s neuerdings auch mit spanischem Text. Und die deutsche Hymne soll nach dem Willen des Grünen-Politikers Hans Christian Ströbele demnächst auch auf türkisch gesungen werden. Absurd, nicht wahr? Sind die jetzt alle verrückt geworden, dies- und jenseits des Atlantik?
"Langsam", sagt Walter Kamphoefner, "so absurd ist das doch gar nicht." Er legt einen Text auf den Tisch und macht sich einen Spaß daraus, rätseln zu lassen, was es damit auf sich hat: "O! Sagt, könnt ihr seh´´n in des Morgenroths Strahl. . ." Was ist das? "Was so stolz wir im scheidenden Abendroth grüßten?" He? "Die Sterne, die Streifen, die wehend vom Wall. . ."
Moment mal. Sterne und Streifen? Stars and Stripes? Klingt amerikanisch. Tatsächlich handelt es sich um den Text der amerikanischen Nationalhymne "The Star-Spangled Banner", nur eben in deutscher Übersetzung. "Und genau so wurde sie in den USA früher auch gesungen, von deutschen Einwanderern und ihren Nachfahren", erzählt Walter Kamphoefner, selbst Nachfahre deutscher Immigranten.
Als Migrationsforscher hat er sich eingehend mit der Geschichte der Deutschen in den USA beschäftigt und lehrt heute an der Texas A&M-University amerikanische Geschichte. "Dass es das mal gab, weiß heute aber auch in den USA kein Schwein mehr", sagt Kamphoefner in gutem Deutsch, mit amerikanischem Akzent.
Schon 1851 wurde die deutsche Version der US-Hymne veröffentlicht. Geschrieben hat sie Hermann Seele, 1823 in Hildesheim geboren und 1843 nach Amerika ausgewandert. Wahrscheinlich schrieb er die Übersetzung für den "Sängerbund" in Texas, doch von dort verbreitete sich seine Version rasch unter den Deutschamerikanern überall in den USA.
Noch 1917, stellte Kamphoefner bei Studien über die Zweisprachigkeit in Illinois fest, wurde "O! Sagt, könnt ihr seh´´n. . ." sogar in öffentlichen Schulen mit einem hohen Anteil an deutschen Einwanderern gesungen.
Mit dem Eintritt der USA in den ersten Weltkrieg und damit in den Krieg gegen Deutschland im April 1917, hörte das schlagartig auf. Die deutsche Kultur brach praktisch über Nacht zusammen, viele Orte mit deutschen Namen wurden umbenannt. In Germantown in Texas beschloss man, den Ort nach dem ersten Sohn der Stadt zu benennen, der im Krieg fallen würde. So richtig durchdacht war das nicht, denn dadurch bekam die Stadt einen Namen, der noch deutscher klingt: Schroeder. So heißt der Ort heute noch.
Von anderen Einwanderergruppen in den USA ist nicht bekannt, dass sie die Nationalhymne übersetzt hätten. "Vielleicht steckte darin ein Stück deutscher Frechheit", meint Migrationsforscher Walter Kamphoefner, der im übrigen beim Thema Sprachintegration zur Gelassenheit rät: "Es ist ein Mythos, dass sich Einwanderer schnell anpassen und ihre Muttersprache ablegen müssen. In Wirklichkeit war es immer schon so, dass das ein bis zwei Generationen lang dauert. Erst in der dritten Generation ist die alte Muttersprache meistens vollständig verschwunden."
05.05.2006 Von Markus Günther
Source: Waz.de
There already are two versions of the US National Anthem, one in English and one in German.
The latter, first introduced in 1851, was widely(even in public schools) sung until 1917.
The Germans were the only group of immigrants to translate the Hymn.
This is the text:
"O! Sagt, könnt ihr seh´´n in des Morgenroths Strahl, Was so stolz wir im scheidenden Abendroth grüßten? Die Sterne, die Streifen, die wehend vom Wall, im tödlichen Kampf uns den Anblick versüßten? Hoch flattere die Fahne in herrlicher Pracht, beim Leuchten der Bomben durch dunkle Nacht. O! Sagt, ob das Banner, mit Sternen besä´t über´´m Lande der Freien und Braven noch weht?"
More details for German Speakers
Die Idee, eine Nationalhymne in der Sprache der Einwanderer zu singen, ist nicht neu. In den USA gab´s das schon vor 150 Jahren
Washington. Die amerikanische Nationalhymne gibt´´s neuerdings auch mit spanischem Text. Und die deutsche Hymne soll nach dem Willen des Grünen-Politikers Hans Christian Ströbele demnächst auch auf türkisch gesungen werden. Absurd, nicht wahr? Sind die jetzt alle verrückt geworden, dies- und jenseits des Atlantik?
"Langsam", sagt Walter Kamphoefner, "so absurd ist das doch gar nicht." Er legt einen Text auf den Tisch und macht sich einen Spaß daraus, rätseln zu lassen, was es damit auf sich hat: "O! Sagt, könnt ihr seh´´n in des Morgenroths Strahl. . ." Was ist das? "Was so stolz wir im scheidenden Abendroth grüßten?" He? "Die Sterne, die Streifen, die wehend vom Wall. . ."
Moment mal. Sterne und Streifen? Stars and Stripes? Klingt amerikanisch. Tatsächlich handelt es sich um den Text der amerikanischen Nationalhymne "The Star-Spangled Banner", nur eben in deutscher Übersetzung. "Und genau so wurde sie in den USA früher auch gesungen, von deutschen Einwanderern und ihren Nachfahren", erzählt Walter Kamphoefner, selbst Nachfahre deutscher Immigranten.
Als Migrationsforscher hat er sich eingehend mit der Geschichte der Deutschen in den USA beschäftigt und lehrt heute an der Texas A&M-University amerikanische Geschichte. "Dass es das mal gab, weiß heute aber auch in den USA kein Schwein mehr", sagt Kamphoefner in gutem Deutsch, mit amerikanischem Akzent.
Schon 1851 wurde die deutsche Version der US-Hymne veröffentlicht. Geschrieben hat sie Hermann Seele, 1823 in Hildesheim geboren und 1843 nach Amerika ausgewandert. Wahrscheinlich schrieb er die Übersetzung für den "Sängerbund" in Texas, doch von dort verbreitete sich seine Version rasch unter den Deutschamerikanern überall in den USA.
Noch 1917, stellte Kamphoefner bei Studien über die Zweisprachigkeit in Illinois fest, wurde "O! Sagt, könnt ihr seh´´n. . ." sogar in öffentlichen Schulen mit einem hohen Anteil an deutschen Einwanderern gesungen.
Mit dem Eintritt der USA in den ersten Weltkrieg und damit in den Krieg gegen Deutschland im April 1917, hörte das schlagartig auf. Die deutsche Kultur brach praktisch über Nacht zusammen, viele Orte mit deutschen Namen wurden umbenannt. In Germantown in Texas beschloss man, den Ort nach dem ersten Sohn der Stadt zu benennen, der im Krieg fallen würde. So richtig durchdacht war das nicht, denn dadurch bekam die Stadt einen Namen, der noch deutscher klingt: Schroeder. So heißt der Ort heute noch.
Von anderen Einwanderergruppen in den USA ist nicht bekannt, dass sie die Nationalhymne übersetzt hätten. "Vielleicht steckte darin ein Stück deutscher Frechheit", meint Migrationsforscher Walter Kamphoefner, der im übrigen beim Thema Sprachintegration zur Gelassenheit rät: "Es ist ein Mythos, dass sich Einwanderer schnell anpassen und ihre Muttersprache ablegen müssen. In Wirklichkeit war es immer schon so, dass das ein bis zwei Generationen lang dauert. Erst in der dritten Generation ist die alte Muttersprache meistens vollständig verschwunden."
05.05.2006 Von Markus Günther
Source: Waz.de